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Archiv 2001

"Thai Schuai Thai"
Eine Selbsthilfe-Organisation in München

Die Hauptstadt Bayerns ist zur Heimat von nunmehr fast eintausend 1.000 Thais geworden. Die meisten von ihnen, ungefähr achtzig Prozent, sind Frauen wie die offizielle Statistik der Stadt München aussagt. München besitzt einen thailändischen buddhistischen Tempel als spirituelles und kulturelles Zentrum für Thais und für deutsche Buddhisten. Es gibt den Thailändischen Kunst- und Kulturverein (TKKV), der sich um die Förderung thailändischer Kunst und Kultur bemüht und zusammen mit dem Wat Thai viele thailändische Feste wie z.B. Songkran und Loy Krathong organisiert. Und im November 2000 wurde eine neue thailändische Vereinigung gegründet mit dem Namen Thai Schuai Thai (Thais helfen Thais). Der Name beschreibt auch schon das Ziel der neuen Vereinigung, denjenigen Thais, die sich in Notsituationen befinden, mit praktischer Hilfe und Rat zur Seite zu stehen.

Die Zahl der Thais, die nach Deutschland kommen sind, hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich gesteigert. Viele kamen weil sie sich eine Verbesserung ihre schwierigen oder bisweilen aussichtslos erscheinenden wirtschaftlichen Lage erhoffen. Viele thailändische Frauen kamen, um sich mit deutschen Männern zu verheiraten. Aber die meisten von ihnen konnten sich kaum vorstellen, welche enormen Unterschied bestehen zwischen einem Leben in Thailand und in der neuen Heimat Deutschland. Unterschiede, auf sie die oft nicht ausreichend vorbereitet waren und die sich dann später haufig als schwierige Probleme in ihrem Leben auswirkten.

Die Unkenntniss die deutsche Sprache und der deutschen Gesetze und Regeln und die Erfahrung eines Kulturschocks führten häufig zu Problemen mit der deutschen Umwelt und - im Falle der thailändischen Frauen, die hierher gekommen waren um zu heiraten - zu Missverständnissen in ihrer Ehe.

Thai Schuai Thai bietet denjenigen, die diese Art von Problemen erfahren, seine Hilfe an, indem deutscher Sprachunterricht und allgemeinbildende Kurse angeboten werden, Unterstützung bei der Arbeitssuche und eine begleitende Unterstützung in Selbsthilfegruppen.

Thai Schuai Thai arbeitet eng mit anderen thailändischen Organisationen, die in der Region tätig sind, zusammen und versucht auch, die deutsche Öffentlichkeit zu informieren über die Lebenssituation der hier in Deutschland lebenden Thais.

Frau Yuanjai Wongsaksri, Vorstand von Thai Schuai Thai

Khun Yuanjai Wongsaksri, eine ruhige und freundliche, aber auch energische Frau, ist die Präsidentin von Thai Schuai Thai. Sie lebt bereits seit über zwölf Jahren in Deutschland "Wann immer ich eine Thailänderin oder einen Thailänder in Deutschland traf, war ich jedes Mal froh einen meiner Landsleute zu sehen und began sofort mit ihr oder ihm zu reden." erzählte sie uns.

"Manche von ihnen glaubten, dass ich sehr gut deutsch sprechen könne und daher riefen sie mich an, und baten mich sie zu begleiten wenn sie eine deutschen Behörde aufsuchen müssen, wie z.B. das Einwohnermeldeamt um sich anzumelden oder das Wohnungsamt, wenn sie einen Antrag auf eine Sozialwohnung stellen wollten. Ich half ihnen, imdem ich übersetzte und ihnen die Verfahren erklärte. Bald kannten mich mmer mehr Leute und die Anfragen nach Hilfe wurden häufiger. So dachte ich, dass ich noch einige weitere Leute finden sollte, die bereit sind, ihre Hilfen für andere Thais anzubieten und mit mir zusammen einen Verein zu gründen."

"Damals ginge ich mit Khun Weeranut, eine Freundin, die auch oft anderen Thais half, um den Mönch Pra Archan Phaiboonkit im Wat Thai um ihn einen Rat zu bitten. Er wollte uns gern unterstützen und bot uns einen Raum für unser erstes provisorisches Büro in Wat Thai an. Denn viele Thais kommen gern zum Tempel, um ihr eSpenden darzubringen, zu beten und die Mönche um Rat zu fragen. Unsere ersten Freiwilligen, die bei uns mitmachten hatten vorher schon als Freiwillige beim Konsulardienst der thailändischen Botschaft im Wat mitgewirkt. Im November 2000 konnte unsere Gruppe mit ihren Aktivitäten beginnen"

"Zwanzig von unseren Mitgliedern sind Deutsche, fünf Mitglieder arbeiten als Berater und zehn von ihnen sind auch aktiv in verschiedenen Selbsthilfegruppen verteilt über Bayern. Einmal im Monat treffen wir uns zu unserer Versammelung", erklärt sie uns.

"Schon bald kamen wir zu dem Schluss, dass ist nicht sehr angemessen sei, unsere Beratungssprechstunden im thailändischen Tempel abuihalten. Im Tempel gibt es ein beständiges Kommen und Gehen vieler Menschen und wir dachten, dass die persönlichen Daten und die Probleme der Menschen, die zu uns kamen und Hilfe benötigten, nicht im der Öffentlichkeit bekannt werden dürften. Wir waren daher sehr froh, als unser Verein mit Unterstützung der Stadt München in das neue Beratungsbüro im Selbsthilfezentrum umziehen konnte. Wir bekamen diese Räume sogar, ohne Miete zu zahlen müssen. Eine der Räume dient uns als Büro, ein weiterer Raum für die Deutschkurse und es gibt noch einen weiteren Raum, der zur Zeit noch leer steht. Diesen Raum möchten wir in der Zukunft für die Betreuung der Kinder, die zusammen mit ihren Müttern zu uns kommen, nutzen."

"Jeden Montag, Dienstag und Donnerstag können Thais an unseren Deutschkursen teilnehmen und unsere Beratungssprechstunde findet jeden Dienstag und Donnerstag statt."

Khun Yuanjai betont besonders die Wichtigkeit, die deutsche Sprache zu erlernen. "Wir glauben, dass thailändische Frauen, die hier nach Deutschland kommen, die so bald und so gut wie irgendwie möglich Deutsch lernen sollten. Denn wenn sie nicht deutsch sprechen, werden sie nicht imstande sein, mit ihren Ehemännern sich zu verständigen. Und dies kann früh oder später zu vielen weiteren Problemen führen."

"Viele der thailändischen Frauen, die mit deutschen Männern verheiratet sind, hatten schon Kinder aus eine ersten gescheiterten Ehe mit einem thailändischen Ehemann und bringen ihre Kinder mit nach Deutschland", hat Khun Yuanjai beobachtet. "Diese Kinder haben oft große Schwierigkeiten, sich an ein Leben in Deutschland zu gewöhnen. Manche Mütter müssen auch sehr viel arbeiten und habe nicht ausreichend Zeit, sich so intensiv um ihre Kinder zu kümmern, wie es in dieser Eingewöhungsphase erforderlich wäre . In Thailand würde es immer Großeltern, Cousinen oder andere Verwandten geben, die nach den Kindern sehen könnten. Aber hier ist es manchmal schwierig, jemanden zu finden, der helfen kann. Ich rate den thailändischen Müttern immer, ihren Kindern zu sagen, dass sie immer offen mit ihnen über ihre Probleme oder über jedes Thema, das sie bewegt, sprechen können. Es ist sehr wichtig, dass ein Gefühl des Vertrauens verhanden ist und dass die Kommunikation zwischen den Müttern und den Kindern nicht abreisst, wenn die Kinder älter werden. Ich denke, ich kann mich gut in die Situation dieser Mütter hineinversetzen" sagt Yuanjai, die selbst Mutter von drei Kindern ist.

Zum Sprachproblem kommt in vielen Fällen hinzu, dass die thailändische Frauen, die hierher kommen, meist keine Vorstellung von der deutschen Gesetzen und Regeln haben. "Manche kamen nach Deutschland ohne sich vorher ausreichend über deutsche Gesetze informeirt zu haben, z.B. kamen sie mit einem Touristenvisum, aber beabsichtigten dann, in Deutschland arbeiten. Dies ist natürlich nicht legal. Thais, die hier in Deutschland leben, sollten sich aus eigener Initiative informieren, wenigstens über die deutschen Ausländergesetze. Diese Art von Informationen kann man leicht finden, im thailändischen Tempel oder bei deutschen-thailändischen Vereinigungen oder auch bei thailändischen Medien hier in Deutschland. Ich möchte den neu hierherkommenden Thais auch den Rat geben, an den Aktivitäten der thailändischen Community teilzunehmen und sich darum zu bemühen, hier gute Freunde zufinden."

"Seit November 2000 haben mehr als einhundert Thais unser Beratungsangebot in Anspruch genommen. Und unsere Beratungsgespräche am Telefon sind unzählbar. Familienprobleme sind immer die Nummer Eins auf der Agenda. Manchmal ist die Situation so schwierig, dass wir Notunterkünfte für thailändische Mütter und ihre Kinder organisieren müssen. Häufig müssen wir auch helfen, wenn es Probleme gibt bei der Kontaktaufnahme mit der thailändischen Botschaft, etwas wenn amtliche Dokumente oder Bestätigungen benötigt werden oder wenn es bei der Ausländerbehörde um die deutsche Aufenthaltsgenehmigung gehtr. Unterstützung bei der Jobsuche oder bei der Suche nach einer neuen Wohnung und Hilfe bei der Suche nach einem geeigneten Kindergarten oder einer Person, die bei der Kinderbetreuung helfen kann sind weiterer wichtige Schwerpunkte unserer Arbeit."

Wer mehr über den Verein wissen möchte oder seine Unterstützung anbieten möchte, kann sich an die folgende Kontaktadresse wenden:

Thai schuai Thai e.V.
Postfach 830950
81709 Muenchen

Die Beratungssprechstunde findet jeden Dienstag und Donnerstag vom 11:00 bis 13:00 Uhr statt:

Selbsthilfezentrum Muenchen
Bayerstr. 77a Rgb
80335 Muenchen

Tel. 0179 / 414 59 54 E-Mail: yuanjai@web.de
Homepage: http://www.thai-schuai-thai

Saisuda Pohl
© thailife.de
Photos: KhunJohn

 

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